Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

VG Geisenfeld mit der Stadt Geisenfeld und der Gemeinde Ernsgaden  |  E-Mail: katharina.missbrandt@geisenfeld.de  |  Online: http://www.geisenfeld.de

von Maggie Zurek

Europaweiter Tag des offenen Denkmals auch in Geisenfeld

Wie farbig war das Leben in früheren Zeiten? Von Farben und ihrer Symbolkraft

Tag des offenen Denkmals

Tag des offenen DenkmalsUnter dem Motto „Farbe“ stand heuer der europaweite „Tag des offenen Denkmals“. Immer am zweiten Sonntag im September öffnen dabei historische Bauten und Stätten ihre Türen für interessierte Besucher. Der Landkreis Pfaffenhofen war heuer mit drei Veranstaltungen vertreten.

 

In Geisenfeld wurde eine Führung mit dem Thema „Wie farbig war das Leben in früheren Zeiten“ angeboten.

 

Farben sind mehr als nur ein gestalterisches Element, sie sind voller Symbolkraft und schaffen Stimmungen – diese Erkenntnis wurde den Besuchern beim Besuch der Führungen zum Tag des offenen Denkmals in Geisenfeld und Ernsgaden deutlich vor Augen geführt.

 

Gästeführerin Hannelore Major lud die rund 50 Besucher zu einer geschichtlichen Reise ein, die von den Höhlenmalereien der Steinzeit über die antike Farbenpracht bis zur barocken Symbolik führte. Am Beispiel des Alten Rathauses und der Geisenfelder Stadtpfarrkirche umriss sie dabei die Bedeutung von Farbe als architektonischem Element, aber auch als sozialem Instrument zur Manifestation von Standesunterschieden (das Purpur der Könige), zur Diskriminierung (der gelbe Judenstern) oder zur selbst gewählten Distanzierung vom bunten Treiben in der Welt (die schwarze Ordenstracht der Benediktinerinnen).

 

Im Barock habe man mit der goldenen Pracht im Zuge der Gegenreformation den Gläubigen ein Stück „Himmel auf Erden“ zeigen wollen, erklärte Major. Wo das Geld für eine tatsächliche Kuppel als „Himmelspforte“ nicht reichte, da habe man auf geschickt gemalte Scheinarchitektur gesetzt – zu sehen im Deckengemälde von Melchior Büchner.

 

Farbe sei aber auch ein kostbares Gut gewesen, dessen Herstellung oft teuer und aufwendig war, erklärte Major. Für manche habe man Edelsteine wie Hämatit zermahlen, andere wurden aus Schnecken gewonnen oder mussten mit Ammoniak (also Urin) vermischt werden.

 

Auch bei einem Abstecher zum Alten Rathaus spielte das Thema Farbe eine Rolle. Tatsächlich habe dieses wohl zumindest in Teilen einst einen kräftigen roten Anstrich gehabt, ließ Major wissen. Ob dieser im Zuge der derzeitigen Renovierung wieder zum Leben erweckt werden sollte, wurde zum Gegenstand kontroverser Diskussionen. Denkbare Farbvarianten waren im Neuen Rathaus zu begutachten, wo der verantwortliche Planer, Innenarchitekt Jürgen Hlady, unterschiedliche Entwürfe kurz vorstellte.

 

In Ernsgaden hatte die Pfarrkirche Sankt Laurentius ihre Pforten geöffnet. Pfarrgemeinderätin Anke Heinz schlug den historischen Bogen von der bereits 935 wohl von Graf Ernest von Hohenburg und Murach erbauten Kapelle bis zum 1887 für rund 23000 Gulden errichteten Gotteshaus, dessen 200 000 Bausteine von örtlichen Bauern herangeschafft worden waren. Sie erläuterte die Bedeutung der sakralen Kleinodien des Kirchenraumes, der beherrscht wird von „Jesus dem Weltenrichter“ – einem Kunstwerk, das den byzantinischen Meistern nachempfunden ist. Beim abschließenden Aufstieg auf den 36 Meter hohen Turm erfuhr man, dass von vier Glocken nur eine noch im Originalzustand erhalten ist. Für sie hatte König Ludwig II 1874 sechs Zentner Kanonenmetall gestiftet.

drucken nach oben