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von Maggie Zurek

Neuerscheinung: „Kloster und Markt Geisenfeld bis zur Säkularisation 1803“- Autor: Prof. Dr. jur. Josef Kürzinger

Es "menschelte" schon damals

Prof. Dr. jur. Josef KürzingerHistorische Fakten und menschliche Geschichten geben sich unter dem Titel „Kloster und Markt Geisenfeld bis zur Säkularisation 1803“ ein Stelldichein. Die Neuerscheinung aus der Feder Josef Kürzingers birgt überraschende Erkenntnisse und interessante Anekdoten.

 

Kürzinger, der als Professor an der Universität Freiburg Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzugsrecht lehrte, hatte bereits beim Festakt „700 Jahre Marktrecht“ im Oktober 2010 mit einem Fachvortrag über die Geschichte des Ortes nicht nur das Interesse von Heimatforschern geweckt.

 

Geschichtlich beschlagener Jurist: Professor Josef Kürzinger wurde in Geisenfelds ehemaliger Klosterkirche getauft - Foto: oh

 

Nun also präsentiert er ein ganzes Buch, in dessen Vorwort der in Bad Krozingen bei Baden lebende promovierte Jurist eine besondere Motivation für die Beschäftigung mit dem Thema angibt: seine Wiege stand im Ortsteil Geisenfeldwinden, und noch am Tag seiner Geburt im Jahr 1940 sei er in die ehemalige Klosterkirche zur Taufe gebracht worden „weil man befürchtete, ich würde nicht überleben“.

 

Das ist allerdings, wie er erklärt, „nur als Anekdote“ gemeint. Vielmehr habe ihn „schon lange die Ortsgeschichte interessiert“. Das nun präsentierte Werk, dem er sich seit seinem Eintritt in den Ruhestand vor zehn Jahren widmete, „will nicht jemanden widerlegen, sondern darlegen, was man nach so langer Zeit noch weiß“, betont er und verweist auf eine Menge weit verstreuter Literatur und Dokumente, die er zu diesem Zweck durchforstet hat – vor allem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (wo allein bei der Klosterauflösung mehr als 440 Urkunden und 288 Handschriften landeten) und der Bayerischen Staatsbibliothek, aber auch im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg.

 

Ziel seiner Forschung war es, die Wirklichkeit des Lebens in Kloster und Ort zu erfassen, das Schicksal der Menschen in Armut, Krankheit, Hunger und Krieg darzustellen.

 

Im Zuge der Arbeit fielen ihm jedoch Unstimmigkeiten in bisherigen Veröffentlichungen auf. So ist wohl der Ablauf der Ortsgründung und auch die des Klosters „nicht durchwegs richtig gesehen worden“. Falsch sei zum Beispiel die Meinung, Geisenfeld sei eine Römersiedlung. Die Ausführungen bei Aventin sind, wie Kürzinger erläutert, missverstanden worden. Aventin sage lediglich, dieser Giso habe das zerstörte Geisenfeld wieder aufgebaut.

 

„Nicht erklärlich“ ist es aus Sicht des Autors, weshalb man auf das Jahr 1030 als Jahr der Klostergründung kommt. Dafür gebe es „absolut keinen Beleg“. Dass es 1037 gegründet wurde, lässt sich lediglich aus einer Handschrift entnehmen, die erst im 13. Jahrhundert entstanden sein kann. Das heißt: „Sicher ist nur, dass das Kloster 1039 bestanden hat.“ Völlig sicher ist auch, dass die überlieferte Stiftungsurkunde eine „sogar ziemlich primitive“ Fälschung ist, die wahrscheinlich Ende des 15, anfangs des 16. Jahrhunderts entstand. Was inhaltlich an der gefälschten Urkunde stimmt, ist unklar.

 

Neben derlei wissenschaftlich fundierten, eher „trockenen“ Fakten, bietet das Buch jede Menge amüsante Geschichten, die eines zeigen: Es „menschelte“ schon damals. Ein gewisser Bürgermeister Leonhard Kürzinger etwa neigte dazu, „zu greinen und zu poldern“, um seinen Willen durchzusetzen, betrieb Vetternwirtschaft, zechte bisweilen „ganze nächt“ und schreckte vor Betrug nicht zurück, wenn es galt, sich unliebsamer Ratsherren zu entledigen. Was ihn Mitte des 17. Jahrhunderts das Amt und acht Tage Arrest kostete.

 

In den Akten der niederen Gerichtsbarkeit ist ab 1592 von allerlei Vergehen zu lesen – Schwarzbauten, Ehebruch, Schlägereien und Beleidigungen gehören dazu. Und Bürger mit Geschäftssinn gab es ebenfalls schon. Die wollten 1721 sogar die Karfreitagsprozession vom Pfarrer etwas peppiger gestalten lassen – schließlich sollten ja Auswärtige gelockt werden, die dann am Ort Speis und Trank verzehrten. Der Geistliche blieb indes hart. Nachzulesen sind in dem 279-seitigen Werk jedoch auch ergreifende Berichte vom Kampf der Menschen um das tägliche Brot, von den Folgen etlicher Kriege und Seuchen.

 

Das Buch mit dem Titel „Kloster und Markt Geisenfeld bis zur Säkularisation 1803“ ist über jede Buchhandlung sowie im Internet beim Verlag Pro Business Berlin unter der ISBN 978-3-86386-656-3 zum Preis von 13 Euro zu erstehen.

 

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